Русский Немецкий Английский
Printer friendly version Print Version

Hochzeitsreise (15.-25.01.2003)

Andrei Karpatchev & Belinda Weidmann Karpatchev


Wir danken hiermit nochmals allen, die uns in irgendeiner Weise mitgeholfen haben, unsere märchenhafte Hochzeitsreise zu ermöglichen, und wünschen viel Spass beim Durchsehen der Bilder!

    Belinda & Andrei


Am 15. Januar ist es soweit: Endlich fliegen wir unserem heissersehnten Honeymoon entgegen... 

Zunächst nach Helsinki, wo wir in einer alten Lagerhalle im Ziegelbaustil übernachten, welche allerdings in ein dementsprechend spezielles Hotel umfunktioniert wurde.

In Helsinki fühlen wir uns sofort sehr wohl - vermutlich nicht zuletzt, weil wir hier auf eine sehr angenehme Synthese von schweizerischem Lebensstandard und russischem Flair stossen. Besonders angetan hat es uns das hübsche, typisch russisch-kitschige und auch kulinarisch sehr empfehlenswerte Restaurant "Babushka Ira", wo man tatsächlich "nach Grossmutter Art" bewirtet wird.

Auch die Architektur der Stadt ist stark russisch geprägt, was historisch bedingt ist: Von 1808 bis 1918 war Finnland nämlich als unabhängiges Fürstentum Teil des russischen Zarentums. Viele insbesondere öffentliche Gebäude (Universität, Verwaltung, Kirchen) wurden gerade in dieser Zeit gebaut, oft nach Petersburger Vorbild.

Beim Spaziergang durch die Innenstadt kann  man aber auch sonst viele schmucke und schöne Bauten bewundern, wie z.b. das legendäre Cafe Kappeli.

Etwas besonderes ist die Felsenkirche. Sie steht auf einer leichten Anhöhe und ist in den Fels hinein gebrochen. Die Akkustik soll hier besonders gut sein, aber leider gab es während unserem kurzen Aufenthalt kein Konzert hier, weshalb wir mit einem Konzert in der Finlandia Hall vorliebnehmen mussten, in welcher die Grьndungsakte der OSZE unterzeichnet wurde. Dort durften wir dafür nach einem eher langweilig gespielten Klavierkonzert von Tchaikowsky ein interessantes modernes Werk von einem hiesigen Komponisten geniessen (der Name ist uns leider entfallen, resp. wir konnten ihn uns von Anfang an nicht merken...).

Sozusagen der Höhepunkt unseres Helsinki-Aufenthalts war der ganztägige Ausflug auf die Festungsinseln Suomenlinna. Spektakulär für uns natürlich schon die Überfahrt mit einem kleinen Eisbrecher, denn das Meer ist zu dieser Jahreszeit bis weit hinaus gefroren oder doch mindestens mit ziemlich zähem Eis- und Schneematsch bedeckt.

Hier kann man diese riesige Befestigungsanlage, welche die Schweden in der Mitte des 18. Jahrhunderts zum Schutz gegen die Russen (vor der russischen Zeit gehörte Finnland zum Schwedischen Königreich) angefangen hatten zu bauen, in der Vogelperspektive betrachten. Die Anlagen sind so gross und in so hervorragendem Zustand, dass wir den ganzen Tag damit verbrachten, diese 3 Inseln zu erkunden, ohne dass uns auch nur eine Sekunde langweilig wurde. 

Gleich zu Beginn der Hauptinsel trifft man auf eine ganze Häuserreihe im russischen Stil. Hier wohnten zu Zeiten russische Kaufleute. Die Festung spielte lange vor Helsinki selber eine wichtige Rolle, nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch im wirtschaftlichen und kulturellen - es war eine Stadt für sich. Aber auch heute leben noch ca. 900 Menschen auf diesen Inseln, zudem befinden sich hier eine Marineschule und eine Arbeitskolonie...

Hier ein altes U-Boot, welches im Sommer besichtigt werden kann (bei unserem Besuch sind wir fast die einzigen Touristen hier, deshalb ist vieles geschlossen...). Es stammt aus den 30-er Jahren und wurde seinerzeit zur Aufklärung eingesetzt.

Blick von der einen Insel über die Brücke zur Hauptinsel, wo man eine Kirche erkennen kann. Sie wurde ursprünglich von den Russen im Stil der russisch-orthodoxen Kirchen mit 5 goldenen Kuppeln gebaut, wurde nach der russischen Ära jedoch zur lutheranischen Kirche (Hauptreligion der Finnen) umgebaut, resp. dementsprechend "abgespeckt" - schade...
Wir untersuchten natürlich auch die vielen Bunker und zahlreichen Gänge in den tadellos erhaltenen Festungsmauern - tatsächlich war es hier stockdunkel...

Gegen Abend bot uns dann der Blick Richtung Helsinki einen atemberaubenden Anblick: die riesigen Schiffe im Hafen, die winterliche Abendstimmung, das gefrorene Meer und der Dom am Horizont, das Wahrzeichen von Helsinki.

In Helsinki gäbe es tatsächlich noch vieles zu entdecken, doch unsere Zeit ist knapp, so geht es am 18. Januar weiter in den hohen Norden: Ankunft in Ivalo, nördlichster Flughafen der Finnair, ca. 170 km nördlich des Polarkreises - die Sonne scheint hier um 13 Uhr gerade untergegangen zu sein... Von hier aus fahren wir mit einem Bus ca. 40 Min. zu unserem Hotel und Blockhaus in Kakslauttanen.
Bei einem ersten Spaziergang treffen wir auch schon auf Rentiere, von denen es hier viele gibt. Sie ziehen frei umher, gehören aber tatsächlich zu Herden und werden als Nutztiere gehalten. Sie sind äusserst scheu und auch ein bisschen doof... bis sie merken, dass  man es auf sie abgesehen  hat, dauert es relativ lange, und wenn sie es dann gemerkt haben, wissen sie nicht, ob sie vor Schreck stehen bleiben oder vielleicht doch lieber die Flucht ergreifen sollen...
Bei unserer Ankunft ist gerade Vollmond, was die lange und dunkle Polarnacht doch ganz schön aufhellt und für märchenhafte Stimmung zwischen den tiefverschneiten Bäumen sorgt. Das hier ist unser täglicher Weg vom Blockhaus zum Hotel, wo wir Frühstück und Abendessen bekommen...
Zudem sehen wir bereits am ersten Abend schon die ersten Polarlichter. Sie zu fotografieren ist natürlich nur mit professioneller Ausrüstung möglich, aber in natura sind sie wirklich wunderschön, und auch ziemlich häufig: wir können an jedem klaren Abend mehrere davon sehen.
Die Temperaturen schwanken meist zwischen -15 und -20, ausgerechnet an dem Tag, an dem wir eine 4-stündige Rentierschlittenfahrt unternehmen wollen, fällt das Thermometer aber scheinbar grundlos auf eiskalte -35! Interessanterweise haben wir den grossen Themperatursprung erst bemerkt, als wir ein paar Minuten vor dem Hotel auf die Rentier-Safari warten mussten.
Dafür hatten wir mit dem Wetter Glück, es war klar, die Sonne kletterte teilweise knapp über den Horizont...
Wir genossen eine unvergessliche Fahrt durch die bizarr gefrorene Landschaft in einer nicht enden wollenden Dämmerstimmung, die alle Farben des Regenbogens an den Himmel zauberte...
... und froren uns dabei ziemlich einen ab... Die Eisknollen an den Wimpern, die sich schon nach wenigen Minuten von der ausgeatmeten feuchten Luft bilden, lässt man auch am besten schön in Ruhe, denn sie kleben ungemein und hängen nach erfolglosem Entfernungsversuch erst recht in die Augen.
Nach dem eisigen Ausflug erwartet uns dafür aber unser grosses, rustikales, komfortables und vor allem gut geheiztes Blockhaus, inmitten tiefem Schnee und märchenhaft verschneiten Bäumen gelegen. Hier von hinten...
... hier von vorne... Gleich 20 Meter von hier finden wir auch Anschluss an das 180km lange, teilweise bis Abend um 10 beleuchtete Loipennetz.
Das Wetter hier in Lappland ist unerwartet launisch, auf einen klaren Tag bei -35 kann Schneefall bei -15 folgen, darauf wieder ein wundervoller, klarer Tag bei -20... Da muss denn auch mal der Hausdiener anpacken und den Weg zum Blockhaus freischaufeln...
Nach harter Arbeit oder sportlicher Betätigung in der Kälte verwöhnt das Dienstmädchen dann dafür mit heissem Tee und süssen Speisen...
... lockt gemütliche Lektüre in der Polstergruppe...
... oder Meditation in der Essecke vor dem Kamin...
... mit anschliessender Lektüre im Bett des grosszügigen Schlafzimmers...
... und eine warme Dusche im modernen Bad...
... mit obligatem anschliessendem Saunagang in der eigenen Sauna!
Leider fehlt ein Tauchbad, aber dafür gibt es hier ja genug Schnee draussen und Temperaturen, die eine rasche und effektive Abkühlung garantieren...
... die eisigen Temperaturen können aber auch zu Experimenten mit den nassen Haaren inspirieren (Haben die Hairstylisten eigentlich das "Ice-Styling" noch nicht entdeckt? Die Möglichkeiten sind vielversprechend, die Anwendung einfach und zeitsparend...)
Ganz Hartgesottene können natürlich die Abkühlungspause zwischen den Saunagängen auch für Expeditionen in die nähere Nachbarschaft nutzen...
Einen weiteren wunderschönen Tag haben wir für unsere Motorschlitten-Expedition erwischt.
Da wir die einzigen Teilnehmer waren, hatten wir sozusagen eine Privatsafari und jeder konnte einen eigenen Schlitten fahren. Mit einem Tempo von bis zu 40 km/h hügelauf- und hügelab und durch den tiefverschneiten Zauberwald zu fahren, ist wirklich ein Erlebnis der Superlative!
Der Sprung in den unberührten Tiefschnee macht Spass...
... und sogar in der Wildniss müssen wir nicht auf ein wärmendes Feuer, heissen Kaffee und ein am Feuer getoastetes Sandwich verzichten. Natürlich quetschen wir bei dieser Gelegenheit auch unseren Führer aus und erfahren so viel Interessantes: z..B. dass dieser hier 6 Jahre lang Wildniss-Ausbildner für die Armee war...
Hauptbeschäftigung neben den Safaris ist aber natürlich Skifahren - nicht alpin, denn die "Berge" sind hier dünn gesäht und kaum über 300m hoch - dafür gibt es ein riesiges, perfekt präpariertes Loipennetz, wo wir fast täglich unsere Runden drehen oder auch mal grössere Ausflüge unternehmen, und zwar bei fast jedem Wetter...
... hier bei Sonnenschein - die Tage werden merklich länger und die Sonne steigt etwas höher, meistens aber doch immer noch kaum ganz über den Horizont...
Die Landschaft präsentiert sich von ihrer besten Seite...
... man würde am liebsten an jeder Ecke ein Foto machen...
Die Zeit geht schnell, und schon rückt unser letzter Tag heran. Für diesen haben wir uns noch die letzte Safari aufgespart: die Hundeschlittenfahrt. Wieder haben wir Glück mit dem Wetter, es ist ziemlich klar und nicht mehr allzu kalt. Das Prinzip ist einfach: Einer sitzt vorne im Schlitten, der andere steht hinten auf den Kufen, zwischen welchen sich ein "Bremseisen" befindet, mit dem man die Geschwindigkeit regulieren kann, indem man es mit dem Fuss in den Schnee drückt.
Den Hunden macht das Rennen sichtlich Spass. Jedes Mal, wenn wir sie bremsen oder stoppen müssen, weil unsere Vorfahrer nicht so schnell sind, schauen die Hunde ganz vorwurfsvoll zu uns zurück und beginnen herzzerreissend zu heulen... Die Landschaft ist wieder beeindruckend schön!
Nach anderthalb Stunden wieder in der Basis angekommen, bedanken wir uns bei unseren Hunden. Sie sind sehr menschenfreundlich und freuen sich über jede Aufmerksamkeit... 
Sie wollen uns kaum mehr gehen lassen...
Der letzte Tag ist zu Ende und es wird Zeit Abschied zu nehmen, da wir am nächsten Morgen um 6 Uhr losfahren müssen. Der Hund des Hauses wollte allerdings nicht viel von uns wissen, was er uns mit einem leisen knurren zu verstehen gab - vermutlich wollte er  nicht nochmal von vorne anfangen mit dem Einschneien lassen...
Dafür war der Hauskater Mischa umso freundlicher. Auf dem Stapel von Rentierfellen genoss er seinen Überblick und liess sich problemlos streicheln, was bei weitem nicht immer der Fall war...
Das war sie also, unsere märchenhafte, romantische Hochzeitsreise. Der Blick aus dem Flugzeugfenster auf das Eismeer zeigt, dass wir langsam wieder in wärmere Gefielde kommen - die Spalten werden immer breiter und die offenen Stellen immer grösser... und die Nebelsuppe, welche uns bei unserer Landung in Zürich erwartet, kann sich sicher jeder auch ohne Foto vorstellen...